Schneehase©Martin Gerber

Das Urner Komitee stellt sich gegen das Jagdgesetz

24.08.2020

Schon bald geht es ums Ganze: Am 27. September entscheidet das Stimmvolk darüber, ob das Rad beim Artenschutz in der Schweiz zurückgedreht wird oder ob das neue Parlament die Chance erhält, ein zeitgemässes Jagd- und Schutzgesetz auszuarbeiten, das den aktuellen Herausforderungen auch gerecht wird. Jetzt haben lokale und kantonale PolitikerInnen sich mit Vertretern der Natur- und Tierschutzverbänden zum Urner Komitee «Jagdgesetz Nein» zusammengeschlossen. Gemeinsam kämpfen die Gegner in Uri gegen das Abschussgesetz.

Im revidierten Gesetz steht nicht mehr der ausgewogene Kompromiss zwischen Schutz, Regulierung und Jagd im Vordergrund, sondern eine einseitige Anpassung auf Kosten seltener Tierarten. Es geht auch nicht mehr «nur» um den Wolf (siehe Box). Auch andere geschützte Tierarten können jederzeit auf die Liste der regulierbaren Arten gesetzt werden, ohne dass das Volk oder das Parlament etwas dazu zu sagen hätten. Während der Parlamentsdebatte wurden schon die nächsten möglichen Opfer herumgeboten: Biber oder Höckerschwan. Mehr noch: vor dem Hintergrund des beispiellosen Artensterbens hätte das Parlament allen Anlass gehabt, den Druck auf die Natur und auf geschützte Tierarten zu verringern, statt zu erhöhen! Es wäre die Chance gewesen, seltene Tierarten wie Feld- und Schneehase, Birkhahn, Haubentaucher oder das Schneehuhn endlich unter Schutz zu stellen. Stattdessen bleiben sie jagdbar. Dafür hat Annalise Russi vom Nein-Komitee kein Verständnis: «Gerade Schneehuhn und Schneehase leiden jetzt schon unter dem Klimawandel. Trotzdem darf man sie jagen?»

 

Das bisherige Jagd- und Schutzgesetz verkommt zu einem reinen Abschussgesetz und ist für das Urner Komitee «Jagdgesetz NEIN» ein inakzeptabler Rückschritt beim Artenschutz: Während eine Anzahl gefährdeter Tiere weiterhin jagdbar bleibt, sollen geschützte Tierarten neu abgeschossen werden können, ohne dass sie je einen Schaden verursacht haben. Mit dem neuen Gesetz müssten keine präventiven Schutzmassnahmen (z.B. Herdenschutz) mehr getroffen werden, bevor Tiere getötet werden dürfen. Selbst in Wildtierschutzgebieten wird geschützten Tieren nachgestellt! «Jede dritte Tier- und Pflanzenart in der Schweiz ist bedroht, weitere 10 Prozent gelten als potenziell bedroht. Das entspricht dem höchsten Wert aller OECD-Staaten. Wir brauchen also ein Gesetz, das den Artenschutz stärkt, statt ihn zu schwächen.» sagt Christa Riedi, Mitglied des Nein-Komitees und Präsidentin des WWF Uri. Deshalb stellt sich auch schweizweit eine breite Koalition aus Parteien, Natur und Umweltschutzorganisationen, Jägern und Förstern gegen den massiven Abbau beim Artenschutz im neuen Jagdgesetz.

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